Auswirkungen

Zuwanderung kompensiert Rückgang nicht

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Gleichzeitig mit dem Rückgang der Geburtenzahlen steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an. Die durch diese beiden Phänomene verursachte Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung wurde lange Zeit durch starke Migrationsströme weitgehend kompensiert. Junge Menschen kamen nach Deutschland, gründeten hier Familien und zogen meist mehrere Kinder groß. Dieser Trend kam 2008/2009 und in den Folgejahren vorübergehend zum Stillstand.

Auch die jüngste, starke Zuwanderungswelle des vergangenen Jahres wird den Rückgang der Bevölkerung in Deutschland nur geringfügig abbremsen. Die Zahl der Rentner wird bis 2035 stark ansteigen, während die Zahl der Menschen im Alter zwischen 20 und 65 - also im allgemein arbeitsfähigen Alter - von derzeit 49 Mio. um voraussichtlich weit mehr als zehn Mio. Menschen bis Jahr 2060 sinken wird.

In den kommenden Jahrzehnten werden die demografischen Veränderungen und der  fortschreitende Strukturwandel unsere Gesellschaft für alle spürbar verändern. Ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, für ganz Deutschland gilt: Der Druck auf die gewachsenen politischen und sozialen Strukturen wird steigen.

Infrastruktur kostet

In ländlichen Gebieten und insbesondere in den östlichen Bundsländern sind bereits heute Teile der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur überdimensioniert, Kapazitäten werden in stetig abnehmendem Umfang benötigt. Dies verursacht einen  hohen Reinhaltungsaufwand, für dessen wachsendes Kostenproblem bisher keine Lösung in Sicht ist.

Gleiches trifft auf öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Ämter zu. Werden sie nur noch zu Teilen genutzt, so müssen sie doch in ihrer Gesamtheit instand gehalten, gereinigt und gepflegt werden.

Ausgaben entstehen durch:

  • die Versorgung mit Trinkwasser
  • die Entsorgung das Abwassers
  • die Zuführung von Elektroenergie
  • die Gewährleistung der Befahrbarkeit der Landstraße bis zum Dorf mit: Instandhaltung der Straßendecke, Winterdienst, Baumschnitt, Grasmahd, Instandhaltung der Markierungen und Verkehrszeichen
  • Straßenbeleuchtung
  • Müllentsorgung
  • Postdienst

Uns allen vertraute Infrastruktur konkret berechnet:

Infrastruktur kostet

Auch die Wirtschaft muss sich anpassen

Bauwirtschaft

Die Bauindustrie spielt bei der Gestaltung des demografischen Wandels eine ganz besondere Rolle: Viele der kommenden Veränderungen erfordern Bautätigkeiten.

Die Verschiebung in der Altersstruktur der Bevölkerung generiert zwangsläufig Neu- und Umbaumaßnahmen.
Die Kapazitäten für altersgerechtes, barrierefreies, betreutes Wohnen und für Pflegeheime müssen in der Zukunft deutlich anwachsen, wobei die abnehmenden finanziellen Möglichkeiten vieler Menschen gleichzeitig eine Hürde darstellen.

Eine Diversifikation der Bevölkerung verändert die Anforderungen an unsere Wohnumwelt und erfordert Flexibilität und neue Konzepte von der Bauindustrie.

Der Trend zu kleinen Haushaltsgrößen hält an.
Vielerorts gibt es ein Überangebot an großen Wohnungen für 4 oder mehr Personen, aber einen Mangel an Wohnungen für 1-2 Personen.

Während in Wachstumsregionen der Schwerpunkt meist im Neubau liegt, gibt es in anderen Gebieten eine deutliche Verschiebung zum Bauen im Bestand.

Ob Neubau oder Bestandsbau: Die Energiewende erfordert modernste Techniken und Verfahren für optimale Energieeinsparung und -effizienz bei Gebäuden. Politisches Ziel ist eine Verdoppelung der Sanierungsrate bis 2020.

Kreditwirtschaft

Eine bisher noch wenig beachtete Frage ist die der Kredit- und Besicherungsfähigkeit von Liegenschaften in sich ausdünnenden Kommunen und Regionen. Der Verkehrswert einer Immobilie kann in einem Kreislauf aus weniger Menschen, abnehmender Nachfrage, schwindender Infrastruktur, Unattraktivität der Nachbarschaft, sinkenden Immobilienwerten - bis hin zu einem völligen Zusammenbruch des Marktes - rasch unter den Sachwert fallen.

Neue Faktoren bei der Kreditentscheidung könnten zukünftig eine wichtige Rolle spielen, z.B. ob sich die Baumaßnahme positiv auf die Attraktivität des Wohnens in der betreffenden Kommune auswirkt. Spezielle Kreditangebote, die einen „Schandfleck“ aus dem Stadtbild tilgen, wären dabei hilfreich. Ebenfalls ist jedoch denkbar, dass Kreditwünsche potentieller Bauherren von verantwortungsbewusst handelnden Instituten unter demografischen Gesichtspunkten negativ beschieden werden. Neubau in Regionen mit besonders starkem Bevölkerungsrückgang ist hier wahrscheinlich keine Investition für Vermögensaufbau oder ein gesichertes Alter.

Sparkassen und regional tätige Institute könnten gemeinsam mit IHK und HWK Beratungsangebote für Existenzgründer und Unternehmen anbieten, um frühzeitig „demografiefeste“ Geschäftsmodelle zu etablieren.

Wohnungswirtschaft

Die Wohnungswirtschaft sieht sich der wachsenden Nachfrage von
Singles, kinderlosen Paaren und älteren Menschen nach kleineren,
bequemen Wohneinheiten gegenüber. Diese Mietergruppen bevorzugen
im Allgemeinen ein Wohnen in der Stadt.

Die Generation der heutigen Ruheständler lebt zum größten Teil in
finanziell relativ gut abgesicherten Verhältnissen. Zukünftige Rentnergenerationen werden sich auf eine derartige Sicherheit höchstwahrscheinlich nicht verlassen können. Dies wird mit sich bringen, dass viele Menschen im Alter die Miete für aufwendig und teuer umgebaute Wohnungen nicht werden bezahlen
können – ein erhöhter Bestand an zwar altersgerechtem, jedoch auch preiswertem Wohnraum wird unbedingt nötig sein. Hier sollten rechtzeitig entsprechende Ressourcen verfügbar gehalten werden.

Über 70% aller jungen Familien, die aus der Stadt ins Umland ziehen, würden gerne in der Stadt wohnen bleiben, wenn sie etwas Passendes finden könnten. Hier spielt die Nachfrage nach großem Wohnraum in Verbindung mit einem angrenzenden Grundstück oder Garten zum Spielen für die Kinder die entscheidende Rolle. 

Ver- und Entsorger

In ausdünnenden Räumen werden Kapazitäten in stetig abnehmendem Umfang benötigt, regional sind bereits heute große Teile unserer Ver- und Entsorgungsinfrastruktur überdimensioniert.

Die auf der Grundlage konstanten Wachstums basierende Netzphilosophie der letzten Jahrzehnte wird in vielen Regionen an Effizeinz verlieren. Regional und lokal angepasste Lösungen, zentral und dezentral, rücken in den Fokus.

Wie bestehende Netze an die veränderten Anforderungen angepasst werden können oder ob  kleinere Einheiten einen völligen Neubau erfordern – diese Fragen sind weitgehend unbeantwortet.

Was können wir tun?

Einige Ideen zeigen wir in unserem Ausblick.