Ausblick

Veränderte Anforderungen brauchen neue Lösungen. Für die Herausforderungen des demografischen Wandels gibt es kein Patentrezept.

Wir alle sind gefordert

Auf Grund der hohen Komplexität und der weit über Legislaturperioden hinaus reichenden Auswirkungen wird die Politik allein diese Problematik nicht lösen können. Lösungen „von unten“ und offene Ideenwettbewerbe sollten angeregt und gefördert werden. Durch informative Anreize wollen wir in der Bevölkerung die Bereitschaft zu Veränderungen und zur Übernahme von Verantwortung wecken – und Unterstützung generieren.

Regelkreis durchbrechen

In Städten und Ortschaften mit deutlichen Bevölkerungsverlusten sollte dem Leerstand von Gebäuden mit innovativen Ideen und Gestaltungsbereitschaft begegnet werden.

Solche Strategien umfassen viel mehr als nur den Abriss.

Jedem Bauvorhaben sollte zudem
eine Prüfung von Umbau oder Umnutzung bestehender Bausubstanz vorausgehen.

Regelkreise

Beispiel: Umbau von Plattenbauten

In Leinefelde-Worbis gelang es einem charismatischen Bürgermeister, den erdrückenden Bestand an nicht mehr benötigten Platten­bauten einfallsreich und rechtzeitig zurückzubauen.
Es entstanden moderne, attraktive Stadtvillen.

Sanierte und umgebaute Plattenbauten in Leinefelde

Schloss Ettersburg

Schloss Ettersburg: Turmzimmer © Maik Schuck

Beispiel: Revitalisierung Schloss Ettersburg

Der barocke Schlosskomplex der Weimarer Klassik, bestehend aus dem 1706–1712 erbauten Alten Schloss und dem wenige Jahre später hinzu gekommenen Neuen Schloss, stand seit 1979 leer und verfiel.

Im Jahr 2005 legten Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V. und Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V. ein tragfähiges Nutzungskonzept vor und retteten damit das Schloss vor dem endgültigen Verfall.

Das neue Nutzungskonzept besteht aus drei Säulen:

  • der Stiftung Schloss Ettersburg
  • der Bauhaus Akademie Schloss Ettersburg
  • dem Schloss als Tagungs- und Veranstaltungsort sowie Kultur-Oase

In einer 18-monatigen intensiven Sanierungsphase gelang es, den Schlosskomplex als einzigartiges Kulturdenkmal zu erhalten und seiner neuen, modernen Nutzung entsprechend umzubauen und auszustatten.

Politische Einflussnahme

Neben einer anzustoßenden gesamtgesellschaftlichen Kommunikation spielt die konkrete politische Einflussnahme auf Bund-, Länder- und Kommunalebene für die Arbeit der Stiftung eine zentrale Rolle.

Für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes wird es entscheidend sein, politische Entscheidungen und Gesetzgebungen rechtzeitig auch unter demografischen Gesichtspunkten auf den Prüfstand zu stellen.


Anpassung der Versorgungssysteme

Dünn besiedelte Räume mit älter werdender Bevölkerung schaffen neue Aufgaben und Chancen. Wo stationäre Einrichtungen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind, liegen Potenziale in alternativen Versorgungskonzepten. Für Bäcker, Metzger oder Sparkassen heute schon weitgehend normal, werden künftig auch mobile Dependancen von Optikern, Ärzten, Einzelhändlern, Friseuren, anderen Handwerkern und Dienstleistern immer stärker an Bedeutung gewinnen.

Eine Zukunftsvision

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten noch um weitere zwei Milliarden Menschen anwachsen wird sowie der weltweiten klimatischen Veränderungen, kann eine Wiederbesiedlung von demografisch ausgedünnten, jedoch klimatisch bevorzugten Räumen nicht als ausgeschlossen gelten. Abhängig davon wie schnell und dramatisch sich das Klima in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weltweit verändern wird, ist hier die Rede von Migrationsströmen in bisher ungekannten Ausmaßen von Millionen Menschen.

Individuell betrachtet sicher ein katastrophales Szenario, dessen Auswirkungen sich jedoch möglicherweise dadurch mildern lassen, dass die angesprochenen Klimaflüchtlinge in Europa eine neue Heimat finden könnten – mit positiven Auswirkungen für beide Seiten.

Aus volkswirtschaftlichen Erwägungen wäre deshalb zu prüfen, ob durch Langzeitkonservierung von erhaltenswürdiger Bausubstanz bauliche Ressourcen in gewissem Umfang vorgehalten werden sollten. Zum einen böte der Vorrat an kostengünstigen und nutzungsfähigen Altimmobilien eine beträchtliche Unterstützung für Neuankömmlinge. Zum anderen könnte damit in Europa und insbesondere natürlich auch in Deutschland der völlige Wertverlust durch Abriss demografiebedingt aus der Nutzung fallender Bausubstanz vermieden werden. Rein wirtschaftlich betrachtet eine Win-Win-Situation, wenngleich auch mit dramatischem Hintergrund.

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